Pflanzen als religiöse Brücken nutzen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jürgen Schwinning-Sturm informierte über die Bedeutung von Pflanzen in der jüdischen Kultur.

Pflanzen als interreligiöse Brücken: Der Kulturhistoriker Jürgen Schwinning-Sturm sprach im Jüdischen Museum über Thora- und Bibelpflanzen.

 

Creglingen. Im Rahmen der einwöchigen „Jüdischen Kulturtage im Taubertal“ lockte ein Vortrag annähernd 30 Besucher ins Jüdische Museum Creglingen.

 

In seinem Vortrag „Von der Verstreutheit“ informierte der Kulturhistoriker Jürgen Schwinning-Sturm über Pflanzen, die im alten Schriftgut der monotheistischen Religionen erwähnt werden.

 

Es geht um „Displaced Plants“, eine Analogie zu den auch im Zug heutiger Flüchtlingsströme immer zahlreicher werdenden „Displaced Persons“, dem im Zweiten Weltkrieg vom alliierten Hauptquartier geprägten Begriff für nicht am Aufenthaltsort beheimatete Menschen.

 

Auch Pflanzen migrieren, wandern – oft ebenso unfreiwillig wie die Menschen, die sie teilweise mitnehmen in eine Fremde, die Heimat werden soll. Schwinning-Sturms Idee ist es, gezielt Pflanzen, die im gemeinsamen alten religiösen Schriftgut erwähnt sind, in Creglingen und, so ein Fernziel, entlang des Jüdischen Kulturwegs Hohenlohe-Tauber Heimstatt anzubieten. Die Erinnerung stiftende Stolpersteine-Initiative soll damit gleichsam eine auf Zukunft und gemeinsames interreligiöses Wachstum hin orientierte grüne Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft erhalten.

 

Über 100 Pflanzen erwähnt

Viele der in der Thora und im Alten Testament über 100 erwähnten Pflanzen sind uns nicht nur dem Namen nach vertraut. Und viele sind trotz klimatischer Unterschiede längst heimisch geworden in europäischen Gefilden. Die Bibelfauna reicht von Akazie bis zur Zypresse, umfasst Gehölze, Früchte, Ähren. Genannt sind sie in ihren vielfältigen profanen und sakralen Verwendungen als Nahrungsmittel, Bauholz, Duftstoff, Medizin.

 

Der Apfel spielt schon in der Schöpfungsgeschichte eine Rolle, auf Dattel, Feige und Granatapfel, Olive oder Lorbeerblatt auf unseren Obsttellern und Büffets möchten wir ebenso wenig verzichten wie auf den Weinstock, der in den alten Schriften vielfach Erwähnung findet. Wenn wir Thora- und Bibelplfanzen, die natürlich auch im Ursprungsgebiet des Islam zu finden waren, in unseren Städten Raum zum Wachsen gäben, würde das nicht nur den Städten gut tun. Es würde auch Menschen zur Nachfrage reizen, besonders, wenn den Pflanzen Informationen über ihre kulturellen und rituellen Nutzungen beigegeben würden.

 

Paten könnten die Pflege übernehmen, ihre vielleicht empfindliche Thora- und Bibelpflanze im Kübel hüten, um sie notfalls auch vor Winterkälte zu schützen.

 

Vielen der Pflanzen schreiben die Schriften besondere Symbolkraft zu, manche Pflanze fand gar Eingang in die Rechtsprechung biblischer Zeiten.

 

So durfte etwa, wer erst jüngst einen Weinberg angelegt hatte, nicht zum Kriegsdienst eingezogen werden, florale Elemente wie Lotos und Granatapfel standen auch in der Architektur für Fruchtbarkeit und Leben.

 

Es ist ein immens weites Feld, das bestellt werden könnte, um neugierig zu machen auf die jüdische und islamische Kultur, fanden auch Roy und Adele Igersheim. Die in den USA lebenden jüdischen Initiatoren der Bildungspartnerschaft „Jüdische Kultur und der Holocaust“ konnten dem wissensprallen Vortrag im Jüdischen Museum Creglingen dank der Übersetzung der Igersheimer Kulturamtsmitarbeiterin Ingrid Kaufmann-Kreusser folgen.

 

Sabine Kutterolf-Ammon, Vorsitzende der Stiftung Jüdisches Museum Creglingen, dankte dem Referenten und den Initiatoren und Akteuren der Jüdischen Kulturtage für die hochinteressanten Veranstaltungen der vergangenen Tage.

 

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 12.05.2018