Die Premiere der Jüdischen Kulturtage

Freuen sich über die Premiere der Kulturtage (von links) Lehrerin Annette Breitenbach, Christoph Bittel (Jüdisches Museum Creglingen), Emiliy Baur, Maike Trentin-Meyer (Deutschordensmuseum), Lea-Marie Beer, Stefan Rückert (Gemeinde Igersheim) , Lea Melina Deppisch, Ingrid Kaufmann-Kreußer (Gemeinde Igersheim) und Lehrer Klaus Huth.

Klaus T. Mende

 

Die Veranstalter wollen erinnern, informieren, Berührungsängste abbauen: Vom 27. Mai bis 2. Juni finden in Bad Mergentheim, Igersheim und Creglingen die ersten "Jüdischen Kulturtage Taubertal" statt.

Main-Tauber-Kreis. Bereits seit gut sieben Jahren gibt es eine Bildungspartnerschaft zwischen dem jüdischen Ehepaar Adele und Roy Igersheim aus den USA und der Gemeinde Igersheim, die unter dem Motto "Aufarbeitung des Holocausts" steht. Sie wurde in der Zwischenzeit von mehreren Partnern weiterentwickelt, um dadurch einen Dialog über jüdische Kultur und Historie herbeizuführen sowie aktuelle Bezüge zum Thema zu erarbeiten. Auf diesem Weg wurde die Idee geboren, jährlich "Jüdische Kulturtage" zu veranstalten - unter Beteiligung der Partner Adele und Roy Igersheim, Buchhandlung Moritz und Lux, Deutschordensmuseum Bad Mergentheim, Gemeinde Igersheim, Jüdisches Museum Creglingen sowie Kaufmännische Schule Mergentheim. Federführend in Sachen Koordination der Kulturtage ist das Wirtschaftsgymnasium der Badestadt.

Lea Melina Deppisch, Emily Baur, und Lea-Marie Beer managen das gesamte Projekt, im Übrigen wichtiger Bestandteil ihres Seminarkurses. "Wir sind gleich Feuer und Flamme gewesen", so Baur zu den Beweggründen, sich derart ins Zeug zu legen. Dank der Unterstützung ihrer Lehrer Annette Breitenbach und Klaus Huth sowie der weiteren Partner sei es ihnen rasch gelungen, die nötigen Kontakte herzustellen und diese Kulturtage auf die Beine zu stellen, die anfangs gar nicht so umfangreich geplant gewesen seien, allerdings schlussendlich eine erfreuliche Selbstdynamik entwickelt hätten, von der nicht nur zahlreiche Schüler profitieren sollen. Man erhoffe sich auch seitens der Erwachsenen eine große Resonanz bei den 14 Events in der Bad Mergentheim, Igersheim und Creglingen.

Abwechslungsreich gestaltet sich der Reigen der Programmpunkte. Im Einzeln haben die Macher im Angebot:

27. Mai, Deutschordensmuseum Bad Mergentheim (Roter Saal), 19.30 Uhr (Eintritt frei): Auftaktveranstaltung, Vorstellung der projektbeteiligten Gruppen, Präsentation zum Thema "Stolpersteinverlegung in Bad Mergentheim", Ausstellung der Ergebnisse zum Workshop "Jüdische Symbole kreativ erfasst" und Exponate der Kreativwerkstatt des Bürgerhauses Igersheim.

28. Mai, Bürgerhaus Igersheim, 15 Uhr (Eintritt frei): Ortsführung "Auf den Spuren jüdischen Lebens durch Igersheim". Heimathistoriker Ulrich Dallmann bringt den Teilnehmern die Geschichte der Juden in Igersheim näher.

28. Mai, Bürgerhaus Igersheim, 19.30 Uhr und 29. Mai, Kaufmännische Schule Bad Mergentheim, 11.15 Uhr: Vortrag "Else Kahn - eine jüdische Lebensgeschichte: Nachgetragene Würde - nachgetragene Liebe". Die Stuttgarterin Annegret Braun berichtet über ihre Recherche zum Leben von Else Kahn und ihrer Familie. Else Kahn war die Schwiegertochter des Mergentheimer Oberrabbiners Moritz Kahn.

29. Mai, Deutschordensmuseum Bad Mergentheim, 11.15 und 15 Uhr (für Kinder von acht bis zehn Jahren): Der bekannte Mergentheimer Jude und Künstler Hermann Fechenbach ruft die Kinder auf, während eines Workshops seine Kultur kennenzulernen. Sie erfahren spannende und interessante Dinge über die Lebensgewohnheiten eines Juden. Anmeldung im Deutschordensmuseum unter Telefon 0 79 31 /5 22 12 bis 24. Mai. 30. Mai, Deutschordensmuseum Bad Mergentheim, 8 bis 12.30 Uhr: Projekttag Spuren jüdischen Lebens in Bad Mergentheim". Inhalte: Stadtführung, Arbeitsstationen zum Judentum (Kunst, Kochen, Archivarbeit, Jüdische Abteilung), gemeinsames Essen koscherer Speisen.

30 Mai, Eingang Marienkirche Bad Mergentheim (15 Uhr): Stadtführung "Jüdisches Leben in Bad Mergentheim" mit Klaus Huth. 30. Mai, Bürgerhaus Igersheim, 18 Uhr (freier Eintritt): "Das Kind von Noah", von Eric-Emmanuel Schmitt, Lesung des Bürgerhaus-Teams für Mädchen ab elf Jahren im Bürgerhaus Igersheim. 31. Mai, Jüdisches Museum Creglingen (Badgasse 3), 15 Uhr (freier Eintritt): "Jüdische Einrichtungen und Häuser in Creglingen", Führung von Albert Krämer. Albert Krämer zeigt die historischen Gemeindeeinrichtungen und erzählt vor den Häusern über Leben und Schicksal der jüdischen Bewohner.

31. Mai, Deutschordensmuseum Bad Mergentheim (Roter Saal), 19.30 Uhr: Um einen Eindruck von der jüdischen Volksmusiktradition zu erhalten, werden Klarinettistin Annette Hirt und Kirchenmusikdirektor Michael Müller am Klavier ein Konzert mit typischer Klezmer-Musik geben. Der Abend wird mit Textbeiträgen, vorgetragen von Emily Baur, Lea Beer und Lea Deppisch, umrahmt. 1. Juni, Deutschordensmuseum, 15 Uhr: Führung durch die Ausstellung "Religiöse Minderheiten in unserer Region" der Klasse 7a des DOG. Die Ausstellung präsentiert das Ergebnis der Recherche zu folgenden Religionsgemeinschaften: Türkisch-Islamischer Kulturverein Lauda- Königshofen, Bahai-Gemeinde Bad Mergentheim, Liebenzeller Gemeinschaft Bad Mergentheim, Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Bad Mergentheim, Zeugen Jehovas, Afrikanische Kirchengemeinde im Taubertal, Jüdische Gemeinde Würzburg, Alevitischer Kulturverein Lauda.

1. Juni, Buchhandlung Moritz und Lux Bad Mergentheim, 19.30 Uhr, und 2. Juni, Kaufmännische Schule Bad Mergentheim, 11.15 Uhr: Lesung mit Thomas Meyer "Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse". Ein Einblick in eine unbekannte Welt, eine berührende und schelmische Geschichte mit jiddischem Wortwitz und unwiderstehlichem Humor.

2. Juni, Bürgerhaus Igersheim, 19.30 Uhr: Fotodokumentation "Holocaus-Überlebenden in Galiläa gedient". Die aus Blaufelden stammende Dorina Gehringer hat 15 Monate in einem Altenpflegeheim für Holocaust-Überlebende in Israel gedient. Sie ist tief in die israelische Kultur eingetaucht und erzählt mit vielen Fotos von ihren Erlebnissen.

 

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 13.05.2017

„Klezmer im Elfenpalast“ Konzert mit Helmut Eisel und Birke Falkenroth


Sa, 02.10.2021

… Schon König David spielte einst Harfe, um seine Freunde und Gäste zu unterhalten…

 

Zur Eröffnung der „Jüdischen Kulturtage im Taubertal 2021“ präsentiert der international renommierte Klarinettist Helmut Eisel im Duo mit Birke Falkenroth an der Harfe sein neues Programm „Klezmer im Elfenpalast“.

 

Freuen Sie sich auf elfenzarte Klänge, herrliche Balladen und aufregend fetzige Titel zwischen Tango und Jazz, die das perkussive Element der Harfe hervorkehren und die Luft zum Flirren bringen…

  • Uhrzeit: 20:0 Uhr (Beginn), 19:30 Uhr (Einlass)
  • Veranstaltungsort: KULT Niederstetten (Hauptstr. 52/1)
  • Veranstalter: Stadt Niederstetten 
  • Eintritt: 16,00 €, ermäßigt: 14,00€

 


„Mannheim – Izieu – Auschwitz“


Sa, 02. - 16.10.2021

Die Wanderausstellung erzählt die Geschichte von vier jüdischen Kindern aus Mannheim, die in Auschwitz getötet wurden.

 

Sie waren unter den über 6000 badischen Juden, die im Herbst 1940 in das Sammellager Gurs in Südfrankreich deportiert wurden.

 

  Auf 21 Tafeln werden die Stationen der vier jüdischen Kinder Sami       

  Adelsheimer, Max Leiner, Fritz Löbmann und Otto Wertheim auf ihrem   

  Weg von Mannheim nach Auschwitz und Hintergrundinformationen zu   

  ihrem Leben aufgezeigt.

  • Uhrzeit: Es gelten die Öffnungszeiten des Rathauses
    • Montag: 16:30 - 19:30 Uhr
    • Mittwoch: 10:00 - 11:30 Uhr  
    • Donnerstag: 10:00 - 11:30 Uhr und 15.00 – 17.30 Uhr
    • Freitag: 15:00 - 17:30 Uhr
  • Veranstaltungsort: Städt. Mediothek, Niederstetten, Hauptstraße 52/1     
  • Veranstalter: Stadt Niederstetten in Kooperation mit der Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg
  • Eintritt: frei

 


Ortsführung – Auf den Spuren jüdischen Lebens in Igersheim


So, 03.10.2021

Mit der Deportation der letzten fünf Igersheimer Juden in den Tod ging eine lange jüdische Ortsgeschichte zu Ende. Heimathistoriker Ulrich Dallmann bringt Ihnen im Ramen einer Ortsführung die Geschichte der Juden in Igersheim näher.

 

Das Taubertal hat im Hochmittelalter zu den Gebieten mit der größten jüdischen Population in Deutschland gehört. Auch Igersheim gehörten nachweislich seit dem 15. Jahrhundert zur dörflichen Gemeinschaft.

1812 lebten 53 jüdische Einwohner in Igersheim, bei Machtergreifung der Nazis 1933 noch 11.

 

Am 28. Nov. 1941 mussten die letzten damals noch in Igersheim wohnenden Juden Schmay und Elsa Hartheimer mit ihrer Tochter Rosa sowie Max und Gertrud Rosenheimer unter Bewachung ihre Koffer zum Bahnhof schleppen und wurden mit dem Zug zum Sammellager auf dem Killesberg Stuttgart und von dort aus ins Vernichtungslager nach Jungfernhof in Riga deportiert, das die fünf jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht überlebten.

Damit endete eine jahrhundertelange Verbindung von Christen und Juden in Igersheim.

Beim Ortsrundgang führt uns Heimathistoriker Ulrich Dallmann zu den Stätten jüdischen Lebens in Igersheim, zu den Stolpersteinen vor den Häusern der ermordeten Juden im Ortskern, zur früheren Synagoge mit der „Judenschul“.

  • Uhrzeit: 17:00 Uhr
  • Veranstaltungsort: Rathaus Igersheim, Möhlerplatz 9
  • Veranstalter: Gemeinde Igersheim
  • Eintritt: frei